Psychiatrie und Psychotherapie
Psychiatrie, Psychotherapie – was ist der Unterschied?
Die Psychotherapie ist eine einmalige Behandlung von 25 bis 50, manchmal auch 80 Stunden, oft in einer Frequenz von 1× pro Woche. Psychotherapeuten sind vom Grundberuf entweder Psychologen oder Ärzte (andere Berufe sind bedauerlicherweise nur in der Kinder- und Jugendpsychotherapie zugelassen). Voraussetzung ist eine Weiterbildung an einem psychotherapeutischen Institut. Typische Krankheitsbilder sind Psychosen, PTBS, Depressionen, Angst-, Zwangs- oder Persönlichkeitsstörungen.
Psychiater hingegen sind Fachärzte und zählen zu den „grundversorgenden Fachärzten", vergleichbar der Allgemeinmedizin, Kinderheilkunde oder Inneren Medizin, die ohne Überweisung tätig werden können. Sie machen eher eine klassische Sprechstundenmedizin, häufig mit Schwerpunkt auf medikamentöser und psychosozialer Beratung, die die Patientin oft viele Jahre lang begleitet. Voraussetzung ist eine 5-jährige Facharztweiterbildung in der psychiatrischen Klinik. Die Krankheitsbilder sind im Übrigen dieselben wie in der Psychotherapie.
In vielen psychiatrischen Praxen, so auch in meiner, gehen die beiden Tätigkeitsfelder fließend ineinander über.
Begrenzender Faktor der – inhaltlich sinnvollen – Verzahnung von psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung sind die Vorschriften der Kassenärztlichen Vereinigung, die sich aus dem politischen und wirtschaftlichen Druck im System der gesetzlichen Krankenversicherung ergeben.
Systemische Therapie, Tiefenpsychologie, Verhaltenstherapie – was heißt das?
Kassenärztlich sind in Deutschland zugelassen:
- Tiefenpsychologische Therapie
- Gesprächstherapie (n. Rogers)
- Psychoanalyse
- Verhaltenstherapie
- Systemische Therapie
Etwas zugespitzt könnte man unterscheiden:
Die ersten drei Verfahren (international oft unter dem Begriff „psychodynamische Psychotherapie" zusammengefasst)
- suchen in erster Linie Zusammenhänge zwischen aktuellen Problemen und lebensgeschichtlichen Erfahrungen, um mit diesem Verständnis anhaltende Veränderungen der Probleme zu ermöglichen,
- sind dabei eher subjektiv am einzelnen Klienten orientiert und
- ziehen wesentliche Erkenntnisse aus der jeweiligen Therapeuten-Klienten-Beziehung.
Die Verhaltenstherapie, moderner: Kognitiv Behaviorale Therapie, hingegen
- fokussiert auf Verhaltens- und Denkmuster, unterscheidet dabei „funktionale" von „dysfunktionalen" Mustern,
- stellt rasche Veränderungen von Symptomen in den Vordergrund,
- orientiert das Vorgehen an der klassifizierten Krankheit, häufig standardisierten Manualen folgend,
- bevorzugt Erkenntnisse aus statistischen Untersuchungen von Klientenpopulationen.
Die Systemische Therapie
- sieht den Patienten vorrangig in der Beziehung zu seinem aktuellen wie historischen Umfeld – also der Herkunftsfamilie, der aktuellen Familie, seinem Arbeits-, Beziehungs- und Freizeitkontext.
- Krankheitssymptome werden nicht als isolierte medizinische Phänomene, sondern stets in Wechselwirkung mit dem Lebensumfeld verstanden.
- Das Umfeld wird in die Therapie stark mit einbezogen.
Auch zwischen diesen Verfahren sind die Übergänge in der Praxis fließend. Ich für meinen Teil habe Weiterbildungen in tiefenpsychologischer Therapie und systemischer Therapie abgeschlossen.
Entscheidend dürfte bei allen Therapieformen sein, wie gut einerseits bei den Beteiligten die Gestaltung der therapeutischen Beziehung gelingt – abzulesen am Gefühl der Sicherheit, des Angenommenseins und des Vertrauens beim Klienten – und wie sehr es andererseits dem Therapeuten gelingt, das Schicksal und die Bedürfnisse des einzelnen Klienten zu erfassen und dabei sein Fachwissen, seine Vorerfahrung und seine eigenen Lebenseinstellungen hintanzustellen.
Psychodynamische Gruppentherapie
Für welche Beschwerden passt die Gruppe?
Die meisten psychischen Störungen können gut in der Gruppe therapiert werden:
- Psychoseerfahrung
- Belastungsreaktionen
- Depressionen
- Angststörungen
- Somatisierungsstörungen
- Erschöpfungsreaktionen
- Beziehungsstörungen
- Persönlichkeitseinschränkungen
Unter bestimmten Bedingungen profitieren auch Menschen mit:
- schweren Depressionen
- Manien
- Suchterkrankungen
- Posttraumatischer Belastungsstörung
- Autismus-Spektrum-Störung
- ADHS
Wie läuft die Gruppentherapie ab?
Den Großteil der Sitzungsdauer machen Gesprächsrunden aus. In der Regel wird eine(r) der 6–10 Teilnehmer(innen) ein persönliches Thema beleuchten, zu dem die anderen um Mithilfe gebeten werden. Diese kann in Kommentaren aus der eigenen Erfahrung, im Mitmachen bei szenischen Aufstellungen, in Rückmeldungen zu Erlebnissen in der Gruppe und anderem bestehen. Der Therapeut moderiert das Gespräch in Richtung auf die gestellte Frage hin. Übungen aus der Schauspielimprovisation dienen zum Lockern und Entspannen. Häufig liefern sie den Anstoß für die Wahl eines Themas. Aufstellungsarbeit (Familienthemen, Arbeitsthemen usw.) nutzt im Besonderen die Vorteile der Gruppe: Die Übernahme von Rollen aus der (Problem-)Situation oder der Lebensgeschichte durch Teilnehmer der Gruppe bringt Einsichten und Veränderungsimpulse, die in einer Einzeltherapie viel schwieriger oder auch unmöglich zu erarbeiten wären. Zum Reden gedrängt wird niemand: Jede(r) bestimmt selbst den geeigneten Zeitpunkt, ein Thema in der Gruppe anzuschneiden.
Was kann die Gruppe besser als die Einzeltherapie?
- „Soziale Probleme" bearbeiten, also z. B. Schwierigkeiten mit Partner, Familie, Freunden, Arbeitskollegen;
- Familieneinflüsse sichtbar und fassbar machen, z. B. durch Familienaufstellung und -inszenierung mit Teilnehmern der Gruppe;
- eigenes Verhalten überprüfen, durch Rückmeldungen der Gruppenteilnehmer, die beim Überdenken der eigenen Haltung und Stimmung helfen.
Wozu verpflichten sich die Teilnehmer?
- zum respektvollen Umgang miteinander und
- zum dauerhaften Schweigen hinsichtlich der Tatsachen aus dem Leben der anderen, die sie erfahren haben, und hinsichtlich der Erlebnisse, die sie mit ihnen geteilt haben.
Wie melde ich mich an? Kosten?
Zur Vorabklärung, oft auch zur ersten Krisenintervention bei akuten Problemen, dienen ca. drei bis fünf Einzelgespräche. Während der Gruppentherapie sind ergänzende Einzelgespräche möglich. Sämtliche Kosten übernimmt bei gegebener medizinischer Indikation die Krankenversicherung.